Kurzlebige Produkte: Geld oder Gewissen ?

29Apr15

Über x Ecken bin ich gestern auf den Blog Average Pony gestoßen, wo unter der Überschrift “Blogger denken nach: Geld und Gewissen” die Frage gestellt wurde, wie man es mit kurzlebigen Produkten hält.

Auch wenn der April schon fast vorbei ist, finde ich die Idee so gut, dass ich noch mitmachen möchte.

In meiner Familie herrschte immer die Maxime “Qualität vor Quantität”. Ich bin damit aufgewachsen, dass Wegwerfen nicht gut für die Umwelt ist und dass man Abfall am besten vermeidet, wenn man ihn gar nicht erst kauft. Und dabei waren wir sicher keine “Öko-Hippie”-Familie: Joghurt wurde bei uns nicht selbst gemacht und kam auch immer wieder im Plastikbecher in den Kühlschrank – um nur ein Beispiel zu nennen.
Mit diesem Erbe im Gepäck fällt es mir natürlich schwer, Dinge, die man noch brauchen kann, wegzuwerfen.

Die Prämisse, von der viele auszugehen scheinen, lautet oft: Gewissen kann sich nur leisten, wer genug Geld hat. Qualität sei zu teuer und lohnt sich nicht.

Die Frage, die ich hier beantworten möchte: In welchen Situationen profitieren Geldbeutel und Gewissen gleichermaßen?

Mir fiel auf, dass es meine “Verbündeten” und eher kleine Dinge sind , die darauf eine Antwort geben. Beispiele?

1.Die Seconhand-Boutique um die Ecke.
Ich glaube, dazu muss ich nicht viel schreiben. Die Sachen sehen gut aus, haben eine gute Qualität (sonst würde die Besitzerin sie nicht ins Programm nehmen), und der Geldbeutel freut sich.

2. Die Schneiderin meines Vertrauens
Jeans
Sie kann zig-Mal besser nähen als ich und hat Maschinen, mit denen sie das Loch in meiner Lieblingsjeans so stopfen konnte, dass man es nur sehen konnte, wenn man davon wusste. Leider habe ich die Jeans gerade nicht da, aber eine andere, die sie geflickt hat. So habe ich länger von meiner Lieblingsjeans und mein Geldbeutel freut sich auch, denn so teuer ist so eine Reparatur gar nicht. Auch den kaputten Reißverschluss in der Winterjacke hat sie ausgetauscht.

3. Zwischennutzungen
Viele Verpackungen lassen sich noch einmal verwenden:
In Eiscremepackungen bringe ich den selbstgemachten Nachtisch zum nächsten Picknick. Wenn ich früher gehen muss und der Nachtisch noch nicht ganz aufgegessen ist, dann muss ich nicht organisieren, wie teure Schüsseln wieder zu mir zurück finden.

4. Pralinenschachteln und Dosen
Bekomme ich immer wieder geschenkt. Sind schnell leer. Werden individualisiert, neu gefüllt und weiterverschenkt. Spart mir dann das Geschenkpapier.
Schachteln_01
Schachteln_02
Dosen_01
Dosen_02
Ein paar ehemalige Konservendosen, die mit ihrem neuen Leben auch sehr zufrieden sind, sind mir noch dazwischen gerutscht.

5. Selbstmachen
Egal, ob Schmuck, Kleidung oder Essen. Je mehr ich selbst mache, desto mehr kann ich die Arbeit schätzen, die hinter den gekauften Produkten steckt. Seit ich wieder mehr stricke, spielt die Garnqualität für mich eine größere Rolle. Schwitzpullis sind mir zum Greul geworden, wobei nicht jedes Poly-garn gleichviel “schwitz” bedeutet: hier bin ich noch am Lernen.
Schmuck selbst zu machen, ist für mich ein entspannendes Hobby geworden. Dafür benutze ich auch Materialien aus der Recyclingkiste genauso wie die Überreste kaputter Schmuckstücke. Manchmal greife ich dabei ordentlich daneben und das Zeug bleibt untragbar. Aber immer wieder entstehen Lieblingsstücke wie diese Kette. Und wieder freut sich mein Geldbeutel…
Zum Reparieren von Schmuck braucht es auch nicht viel: meist genügt eine kleine Zange und 5 Minuten Ruhe.
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6. Zuhause alte Klamotten auftragen
So schone ich meine noch guten Teile und kann mich langsam von alten Lieblingsstücken verabschieden.

So, und jetzt das Fazit?
Ich kaufe nicht gerne Dinge zum Wegwerfen. Gerade bei Gebrauchsgegenständen wie Kleidung und Geschirr findet bei mir eine emotionale Aufladung statt: Meine Lieblingstasse und meine Lieblingsjeans sollen mir bitte so lange wie möglich erhalten bleiben. Und die Anzahl meiner Lieblings-T-Shirts ist nahe an der absoluten Zahl meiner T-Shirts. Bei jedem Kauf überlege ich also, ob ich an dem neuen Teil lange genug Freude haben werde.
Während es mir bei Gebrauchsgegenständen genau deswegen so leicht fällt, kurzlebige Produkte zu vermeiden, bin ich bei anderen Dingen weniger konsequent. Gerade bei Verpackungen fällt es mir immer wieder schwer, diese Politik auszudehnen: Konservendosen sind extrem praktisch. Milch in Glasflaschen ist teurer und wiegt pro Verkaufseinheit mehr. Und wenn sie mir aus der Hand rutscht, kommen die Glasscherben zur Sauerei dazu.

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